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Use Technology

Die Welt ist nicht genug! – die Museen der Zukunft locken ihre Besucher in virtuelle Lebensräume

Text: Elisabeth Oberndorfer

Museen in den USA wagen sich aus ihrem vertrauten Territorium. Digital-Strategen zeigen ihnen, wie neue Technologien mehr Besucher anziehen. 


Das Museum der Zukunft ist dynamisch. Das ist das Resümee der im November 2013 veröffentlichten Studie „Museums in the Digital Age“ des Arup Instituts. Die Museen müssen künftig sehr unterschiedliche/ungleiche Zielgruppen ansprechen: die Generation Y ebenso wie das „Urgestein aus vordigitaler Zeit“. Das Einbeziehen von Tablets und Social Media wird zur Grundausstattung von Kultureinrichtungen. Technologien wie Augmented Reality und Gesichtserkennung unterstützen Museen dabei, die breite Masse anzusprechen. Weitere Erkenntnisse des Reports zeigen, dass das Museum der Zukunft nicht mehr auf seinen Standort fixiert sein muss, sondern mobil sein kann. 

Das Museum of Modern Art in San Francisco ist derzeit – gezwungenermaßen – mobil. Aufgrund von Renovierungen ist der Hauptstandort für die nächsten drei Jahre geschlossen. Um die lange Zeit zu überbrücken, organisiert die Institution „Pop-Up“-Ausstellungen in der Stadt und den umliegenden Regionen. Wer wissen will wie das zukünftige SFMOMA im Jahr 2016 aussehen wird, kann mit einer Augmented Reality App einen Blick darauf werfen. „Eine kreative Betrachtung unserer Expansion“ lautet der Titel des  Projekts, dass das Künstlerduo Will Pappenheimer und John Craig Freeman aus Brooklyn umsetzen. Mittels QR Code oder der Augmented Reality-App „Layar“ können User die Anwendung abrufen. Richtet man sein  Mobiltelefon oder Tablet auf das Gebäude in der Innenstadt von San Francisco, wird der Grundriss des neuen Gebäudes, inklusive kreativer Installationen der beiden Künstler, eingeblendet. 

Neue Wege finden, Besucher einzubeziehen und zu vernetzen und dabei nicht die Magie der Kunst verlieren. (Sree Sreenavisan)

All you want to know!

Die technologischen Bestrebungen der Museen lassen neue Berufsfelder entstehen. Der Trend geht dabei zu Digital Officern in Kultureinrichtungen. Das Metropolitan Museum of Art in New York City holte sich im Sommer 2013 dafür den renommierten Journalismusprofessor Sree Sreenavisan. „Neue Wege finden, Besucher einzubeziehen und zu vernetzen und dabei nicht die Magie der Kunst verlieren“, fasst der Digitalstratege seine Mission in Worte. Seit September hat das Met für die Einbindung von digitalen Kanälen ein „Media Lab“ eingerichtet. Das Lab beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, wie Google Glass – die smarte Brille von Google – im Museum eingesetzt werden kann und welche Apps dafür Sinn machen. Greifbarer ist jedoch eine andere Neuerung: 3D-Drucke. Besucher fotografieren mit der 3D-Scanning App  „123DCatch“ verschiedene Ausstellungsobjekte die anschließend digital bearbeitet und mit einem 3D-Drucker in Plastik gegossen werden. In Zukunft kann sich jeder eine Kopie seiner Lieblingsobjekte im Museum mitnehmen, prognostiziert das Met. 

Auch Google macht mobil: In Zusammenarbeit mit verschiedenen Museen darunter das Smithsonian Museum of Art oder das Art Institute of Chicago, werden im Google Art Project Teile von Ausstellungen in bester Auflösung weltweit online zugänglich gemacht um den Wissensdurst der Besucher zu stillen und Neugier auf mehr zu machen.

Google Glass, die smarte Brille von Google ergänzt Tablets und Audioguides. Mit einem Blick durch die Brille und einem kurzen Sprachbefehl werden virtuelle Führungen gestartet. Dazu richtet man seinen Blick auf einen QR Code und wählt aus dem erscheinenden Menü verschiedene Contents. Museumsbesuchern werden zum Beispiel Karten als Orientierungshilfe und Informationen zu den Ausstellungsobjekten zur Verfügung gestellt. 

NOUS hat ein Projekt entwickelt, dass mithilfe von Google Glass Farben entschlüsselt und Farbenblinden die Möglichkeit bietet Farbwerte zu erkennen. Trotz der großen technischen Herausforderung eröffnet diese Anwendung im Museum einer bisher benachteiligten Besuchersparte den Zutritt weil sie blinden Besuchern die Inhalte in einer ähnlichen Qualität wie Sehenden bieten kann; Farbenblinde laufen durch das Museum und während sie sich verschiedene Kunstwerke anschauen bekommen sie Zusatzinformationen eingeblendet.

Zeitmaschinen

Langweilig war gestern! Mit „Strike a pose!“ und „Make a face!“ werden Alt und Jung, Groß und Klein zu einer interaktiven Fotosession eingeladen, welche die Pose oder das Gesicht der Besucher mit den Ausstellungsobjekten vergleicht und das ähnlichste anzeigt. Gleichzeitig erscheinen im selben Raum auf einer 440 Fuß multi-touch Micro Tile Collection Wall mehr als 3800 Bilder die im Museum ausgestellt sind. Diese Touchwall ändert sich alle paar Sekunden und durch Drauftippen können einzelne Bilder vergrößert. Das 10 Millionen schwere Gallery One Project des Clevelandmuseum zeigt uns, wie ein Museum im 21. Jahrhundert ausschauen kann. Das Pionierprojekt ermöglicht, gespickt mit zahlreichen interaktiven Features, einen völlig neuen Museumsbesuch: Mit einer App können nicht nur individuelle Museumstouren zusammengestellt oder Selfies und Fotos der Lieblingsaustellungsobjekte via Social Media mit Familie, Freunden und anderen Museumsbesuchern geteilt werden; mit ArtLens kann man darüberhinaus eine seine eigene Sammlung zusammenstellen. Weg von einem bloßen Bilderbetrachten und Informationsaufnahme, hin zu einem Museumsbesuch der zum Erlebnis wird, gilt Gallery One als das maßgebliche und erfolgreichste Referenzprojekt für alle Museen weltweit. Doch für alle, die einen „traditionellen“ Museumsbesuch vorziehen gibt es auch ganz klassische Informationstafeln und Führungen.

Das Einbeziehen von Tablets und Social Media wird zur Grundausstattung von Kultureinrichtungen. (Sree Sreenavisan)

Das Weltall erlebbar machen

Das Perot Museum of Nature and Science in Dallas, Texas, investierte, in Zusammenarbeit mit der Firma NOUSguide und Samsung, in eine App und einen Guide. Die App liefert den Besuchern allgemeine Informationen über aktuelle Ausstellungen und Öffnungszeiten. Der „In House Guide“, ein mobiler Tablet-Guide kombiniert den Museumsbesuch mit einem mobilen Learning Lab und einem Gamfication-Ansatz. Viele interessante Fakten werden den Besuchern während ihrer Tour fast ‚nebenbei’ vermittelt, und mit unterhaltsamen Spielen kombiniert. In verschiedenen interaktiven Levels können sich Besucher mit dem Tablet durch das Perot spielen. Im „Human Body“-Level werden Körperteile genauer inspiziert. Mit der Funktion „Get to know your head“ können User ihren Kopf fotografieren und die Knochen darin sehen. Im Level „Extreme Earth“ erleben Besucher Erdbeben anhand von multimedialen Inhalten am Mobilgerät. Das „Alamosaurus“-Level enthält viel Hintergrundwissen über Saurier. Mit der Kamera können Elemente der Ausstellung eingescannt und darauf basierende Quizfragen beantwortet werden. Mit dem „Dino Mash Up“ kann ein Phantasie-Dinosaurier entworfen werden. Für die Jüngsten und Junggebliebenen der Besucher gibt es ein interaktives Special der besonderen Art: mit  „Add it up“ kann an einer Station ermittelt werden wie schnell der jeweilige Besucher laufen kann und was für ein Einfluss Alter und Größe auf die persönliche Geschwindigkeit haben. Nicht nur die vielfältigen Ausstellungen, sondern das Museumsgebäude selbst ist einen Besuch wert. Während dem Bau wurde sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit, Umweltfreundlichkeit und regionale Materialien gelegt. Der ganze Prozess des Baus und wie er technisch gesehen funktioniert kann im „The Buliding as Exhibit“ Level erforscht werden.

„Das Weltall erlebbar machen“ ist das Hauptanliegen einer Ausstellung des Museum of Science and Technology in Syracuse, New York. „Out There: Exploring Space through Augmented Reality." heißt das Projekt von Glyphr, dass Museumsbesucher mit Videospiel-ähnlichen Elementen begeistern soll. Die Augmented Reality-Installation besteht aus drei Stationen auf großen Leinwänden: „Astronaut Encounter“, „The Unseen Sun“ und „I am Free Will“ – ein Roboter. Der Roboter reagiert auf die Gesten seines Gegenübers, die Sonne färbt sich aufgrund der Bewegungen der Besucher und visualisiert die Temperaturzonen und eine Begegnung mit einem Astronauten ist ebenfalls möglich. Sensoren und Kameras nehmen die Bewegungen wahr und wandeln sie in Augmented Reality-Szenarien um. 

Immer mehr Museen auf der ganzen Welt nützen digitale Technologien um ihre Besucherbandbreite zu erweitern. Auch die Anzahl der Museumsapps auf Google Play in der Kategorie „Lernen“ steigt stetig. Der Digitalisierungsprozess findet allerdings nicht nur in den USA statt sondern greift global um sich und immer mehr Inhalte virtuell aufbereitet.

Elisabeth Oberndorfer lebt in San Francisco und arbeitet als Journalistin für europäische Medien. Sie schreibt für mehrere Blogs, ist Mitbegründerin der Plattform „Digitalista“ und schreibt an ihrem ersten Buch. Seit 2014 arbeitet sie für das deutsche Online Magazin „Filmore“ das sich vor allem mit den Themen business, innovation und lifestyle beschäftigt.